Kräutertee in der Stillzeit: Was dürfen Stillende trinken?

Kräutertee in der Stillzeit: Was dürfen Stillende trinken?

Kurz zusammengefasst: In der Stillzeit werden einige Pflanzen traditionell zur Unterstützung der Milchbildung eingesetzt: Fenchel, Anis, Bockshornklee, Kümmel, Geißraute. Andere sollten gemieden werden, da ihre Wirkstoffe in die Muttermilch übergehen (Salbei, konzentrierter Petersilie, Pfefferminze in hohen Mengen können die Milchproduktion verringern). Fragen Sie Ihre Hebamme oder Ihren Arzt, bevor Sie eine Pflanze regelmäßig verwenden.

Die Stillzeit ist eine Phase, in der ein Teil dessen, was die Mutter zu sich nimmt, in die Muttermilch übergeht. Kräuteraufgüsse bilden da keine Ausnahme: Manche Pflanzen können die Milchbildung fördern (sogenannte galaktogene Pflanzen), andere hingegen können sie verringern oder unerwünschte Wirkungen beim Säugling hervorrufen. Diese Seite unterscheidet zwischen beiden Gruppen – ohne professionellen Rat zu ersetzen.

Traditionell galaktogene Pflanzen

Einige Pflanzen werden seit Generationen zur Unterstützung der Muttermilchproduktion verwendet. Die wissenschaftlichen Belege sind begrenzt, die Tradition jedoch gut verankert:

  • Fenchel (Foeniculum vulgare, Früchte): die bekannteste galaktogene Pflanze. Studien zu Säuglingskoliken deuten auf eine gute Verträglichkeit hin.
  • Grüner Anis (Pimpinella anisum): traditionell galaktogen eingesetzt.
  • Kümmel (Cuminum cyminum): traditionelle Anwendung ähnlich wie Fenchel.
  • Bockshornklee (Trigonella foenum-graecum): in der arabischen und indischen Tradition weit verbreitet zur Stillförderung. Er kann dem Milch und dem Schweiß einen besonderen Geruch verleihen.
  • Geißraute (Galega officinalis): traditionell galaktogen eingesetzt.
  • Brennnessel für kurze Kuren: remineralisierend und stärkend für erschöpfte Mütter. Lesen Sie dazu unseren Brennnessel-Ratgeber.

Pflanzen, die in der Stillzeit gemieden werden sollten

  • Echter Salbei: dokumentierte milchhemmende Wirkung, traditionell beim Abstillen eingesetzt.
  • Pfefferminze in hohen Mengen: kann die Milchproduktion verringern.
  • Konzentrierter Petersilienaufguss: milchhemmend.
  • Lakritze in hohen Dosen: kann den Blutdruck der Mutter beeinflussen.
  • Stimulierende Pflanzen in Kuren (Yerba Mate, Guarana): Koffein geht in die Muttermilch über.
  • Intensive Entwässerungspflanzen: Risiko von Dehydration und Mineralienmangel.
  • Ätherische Öle zum Einnehmen: ohne professionellen Rat meiden.
  • Grüner und schwarzer Tee: Koffein auf 1 bis 2 Tassen täglich begrenzen.

Rezepte zur Unterstützung der Milchbildung

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  • Klassischer Stilltee: Fenchel + Anis + Kümmel (zu gleichen Teilen). 1 Teelöffel pro 250-ml-Tasse, 8 Minuten Ziehzeit, 2 bis 3 Tassen täglich.
  • Umfassendere Mischung: Fenchel + Geißraute + Brennnessel. In der Stillzeit traditionell geschätzt, liefert sie der Mutter zusätzlich wichtige Mineralstoffe.
  • Für erschöpfte Mütter: Brennnessel + Zitronenverbene + Lindenblüten. Remineralisierend und beruhigend.
  • Für einen ruhigen Moment: Fenchelaufguss ist bei jungen Müttern traditionell beliebt. Jede Anwendung beim Säugling sollte von einer Fachkraft genehmigt werden.

Gute Praxis in der Stillzeit

Bevor Sie galaktogene Pflanzen in Betracht ziehen, sind folgende Faktoren für eine gute Milchproduktion entscheidend:

  • Häufiges Anlegen nach Bedarf: die Stimulation ist der wichtigste Produktionsfaktor.
  • Ausreichend trinken: mindestens 2 Liter Wasser täglich.
  • Ausgewogene Ernährung: +400 bis 500 kcal täglich gegenüber der Zeit vor der Schwangerschaft.
  • Schlaf und Erholung: Stress und Erschöpfung können die Milchproduktion beeinträchtigen.
  • Begleitung: Hebamme, Stillberaterin, Stillgruppe.

Wichtige Hinweise

  • Alles, was die Mutter zu sich nimmt, geht anteilig in die Muttermilch über – auch die Wirkstoffe von Pflanzen.
  • Fragen Sie Ihre Hebamme, Stillberaterin oder Ihren Kinderarzt, bevor Sie eine Pflanzenkur beginnen.
  • Beobachten Sie Ihr Baby: Stimmungsveränderungen, Verdauungsprobleme oder Hautreaktionen können mit einer eingenommenen Pflanze zusammenhängen.
  • Kurze Kuren: 2 bis 3 Wochen, nicht länger – und die Pflanzen wechseln.
  • Zuverlässige Quellen: bevorzugen Sie Bio-Qualität, idealerweise aus der Apotheke.
  • Bei Stillproblemen: lassen Sie sich zuerst beraten, bevor Sie mehr Kräutertees trinken. Die Ursachen können hormoneller, mechanischer oder anlage-bedingter Natur sein.

Hinweis: Die Informationen in diesem Artikel dienen ausschließlich der allgemeinen Information. Sie ersetzen nicht den Rat einer Fachkraft (Hebamme, Arzt, Stillberaterin). Stillschwierigkeiten haben verschiedene Ursachen und erfordern eine individuelle Diagnose.

Quellen: European Medicines Agency, Monografien (Foeniculum vulgare, Pimpinella anisum) · Anheyer D. et al., Pediatrics, Fenchel und Säuglingskoliken (PMID:29110636) · ANSES, Empfehlungen zur Anwendung von Pflanzen in der Stillzeit · WHO, Leitlinien zum Stillen.

Geschrieben von

Julien Huot, Gründer von Thés & Traditions. Tee-Einkäufer seit 2016, ausgebildet in der Verkostung und leidenschaftlich daran interessiert, Tee- und Kräuterkulturen weiterzugeben.

Veröffentlicht am 17. April 2019 · Aktualisiert am 21. Mai 2026

Häufig gestellte Fragen

Welcher Kräutertee fördert die Milchbildung?
Die klassischen galaktogenen Pflanzen: Fenchel, Anis, Kümmel, Bockshornklee, Geißraute. Stets in moderaten Mengen und nach Rücksprache mit Ihrer Hebamme oder Stillberaterin.

Wie viele Tassen Kräutertee darf ich in der Stillzeit trinken?
2 bis 3 Tassen täglich über eine kurze Kur (2 bis 3 Wochen). Wechseln Sie die Pflanzen und trinken Sie nicht monatelang täglich dieselbe Mischung.

Welche Kräutertees sollte ich in der Stillzeit meiden?
Echter Salbei (milchhemmend, wird beim Abstillen eingesetzt), konzentrierter Petersilienaufguss, Pfefferminze in hohen Mengen sowie entwässernde oder stimulierende Pflanzen.

Kann mein Baby durch die Pflanzen beeinflusst werden, die ich trinke?
Ja, anteilig. Alles, was Sie zu sich nehmen, geht in geringen Mengen in die Muttermilch über. Deshalb sollten Sie bei verträglichen Pflanzen bleiben und diese in moderaten Mengen genießen.

Weiterführende Informationen

Lesen Sie auch unseren Ratgeber zu Kräutertee in der Schwangerschaft, unseren Kamille-Ratgeber oder unseren Ingwer-Ratgeber. Für die praktische Auswahl stöbern Sie in unseren Wohlfühl-Kräutertees.

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