Kräutertee in der Schwangerschaft: Was ist zu beachten?

Kräutertee in der Schwangerschaft: Was ist zu beachten?

Kurz zusammengefasst: In der Schwangerschaft ist besondere Vorsicht bei Kräutertees geboten. Einige Pflanzen gelten in moderater Menge als unbedenklich: Ingwer (gegen Morgenübelkeit, von der EMA anerkannt), Kamille, Lindenblüte, Orangenblüte, Zitronenverbene, Rooibos. Viele andere sind nicht empfehlenswert. Keine regelmäßige Anwendung ohne Rücksprache mit Ihrer Hebamme oder Ihrem Arzt.

In der Schwangerschaft suchen viele werdende Mütter nach natürlichen Alternativen zu Tee oder Kaffee oder möchten typische Beschwerden lindern (Übelkeit, Müdigkeit, Schlafprobleme). Bestimmte Kräutertees können dabei helfen – vorausgesetzt, man wählt bewusst. Diese Seite unterscheidet zwischen Pflanzen, die weitgehend als unbedenklich gelten, und solchen, die gemieden werden sollten. Sie ersetzt jedoch keinesfalls professionellen medizinischen Rat.

Warum ist in der Schwangerschaft Vorsicht geboten?

Pflanzen enthalten Wirkstoffe, die:

  • Die Plazentaschranke überwinden und den Fötus erreichen können.
  • Die Uterindurchblutung beeinflussen können (emmenagoge oder kontraktionsfördernde Wirkung).
  • Mit den Schwangerschaftshormonen interagieren können.
  • Bei harntreibender Wirkung den Elektrolythaushalt verändern können.

Aus diesen Gründen empfehlen die ANSES und die meisten Gesundheitsbehörden Zurückhaltung. Eine längere Anwendung von Kräutertees sollte grundsätzlich nur nach Rücksprache mit Ihrer Hebamme oder Ihrem Arzt erfolgen. Der gelegentliche Genuss (eine Tasse Lindenblütentee) ist etwas anderes als eine tägliche Kur.

Weitgehend unbedenkliche Pflanzen in moderater Menge

Diese Pflanzen werden von Fachleuten am häufigsten akzeptiert – bei vernünftiger Dosierung (1 bis 2 Tassen pro Tag):

  • Ingwer (Zingiber officinale): gut belegte Wirkung, von der EMA für Morgenübelkeit in der Schwangerschaft anerkannt. Maximaldosis: 1 g/Tag (entspricht etwa 1 Tasse). Mehr dazu in unserem Ingwer-Ratgeber.
  • Kamille (Matricaria recutita): in moderaten Mengen generell gut verträglich. Mehr dazu in unserem Kamille-Ratgeber.
  • Lindenblüte (Tilia cordata): sehr unumstritten, ein klassisches beruhigendes Mittel. Mehr dazu in unserem Lindenblüten-Ratgeber.
  • Orangenblüte (Citrus aurantium flos): sanft, traditionell bei Schwangeren verwendet.
  • Zitronenverbene (Aloysia citrodora): generell gut verträglich. Mehr dazu in unserem Verbene-Ratgeber.
  • Rooibos (Aspalathus linearis): koffeinfrei, mild, reich an Antioxidantien. Eine gute Alternative zu Tee.
  • Melisse in moderater Menge bei leichten Verdauungsbeschwerden und Nervosität.

Pflanzen, die in der Schwangerschaft gemieden werden sollten

Diese Liste ist nicht abschließend. Im Zweifelsfall wenden Sie sich an Ihre Hebamme:

  • Salbei: beeinflusst die Gebärmutterdurchblutung.
  • Rosmarin in hohen Dosen: emmenagoge Wirkung.
  • Petersilienaufguss in konzentrierter Form: emmenagog.
  • Hibiskus: mögliche uterine Wirkung.
  • Brennnessel als Kur: in hohen Dosen vermutlich emmenagoge Wirkung.
  • Eisenkraut (Verbena officinalis, nicht zu verwechseln mit Zitronenverbene): nicht empfohlen.
  • Süßholz in hohen Dosen: Einfluss auf Blutdruck und Mineralhaushalt.
  • Himbeerblätter (vor der 36. Schwangerschaftswoche): Wirkung auf die Uterusmuskulatur.
  • Stark abführende oder entwässernde Pflanzen (Sennesblätter, Faulbaum, konzentrierter Kirschstielaufguss).
  • Ätherische Öle zum Einnehmen: ohne professionellen Rat stets meiden.
  • Grüner Tee und schwarzer Tee: Koffeingehalt auf 1 bis 2 Tassen pro Tag begrenzen.

Kräutertees bei typischen Schwangerschaftsbeschwerden

  • Morgenübelkeit: Ingwer (1 g/Tag, EMA-anerkannt).
  • Leichte Schlafprobleme: Kamille, Lindenblüte, Orangenblüte.
  • Verdauungsbeschwerden: Kamille, Melisse in moderaten Mengen.
  • Flüssigkeitszufuhr: Rooibos (koffeinfrei), leichter Früchtetee.
  • Vorübergehende Anspannung: sanfte Mischung aus Kamille, Lindenblüte und Orangenblüte.

Zubereitung von Kräutertee in der Schwangerschaft

  • Reduzierte Menge: 1 Teelöffel pro Tasse (250 ml) statt eines Esslöffels wie in der üblichen Zubereitung.
  • Ziehzeit 10 Minuten in leicht köchelndem Wasser (95 °C).
  • Häufigkeit: maximal 1 bis 2 Tassen pro Tag, nie über mehrere Wochen als kontinuierliche Kur.
  • Verlässliche Quellen: bevorzugen Sie Bio-Kräuter, idealerweise aus der Apotheke oder von einer vertrauenswürdigen Marke.
  • Abwechslung: wechseln Sie die Pflanzen, um die Anreicherung eines einzelnen Wirkstoffs zu vermeiden.

Hinweis: Die Informationen in diesem Artikel dienen ausschließlich der allgemeinen Orientierung. Sie ersetzen in keinem Fall den Rat einer Hebamme oder eines Arztes. In der Schwangerschaft sollte jede Anwendung von Kräutern von einer qualifizierten Fachkraft bewertet werden. Bei beunruhigenden Symptomen (Blutungen, Wehen, Fieber) suchen Sie sofort ärztliche Hilfe.

Quellen: European Medicines Agency, Community herbal monograph on Zingiber officinale Roscoe rhizoma (gut belegte Anwendung, Schwangerschaftsübelkeit) · Borrelli F. et al., American Journal of Obstetrics and Gynecology zu Ingwer und Übelkeit (PMID:19216660) · ANSES, Empfehlungen zur Anwendung von Kräutern in der Schwangerschaft · WHO monograph on medicinal plants commonly used in pregnancy.

Verfasst von

Julien Huot, Gründer von Thés & Traditions. Tee-Einkäufer seit 2016, ausgebildet in der Verkostung und leidenschaftlich engagiert für die Weitergabe der Tee- und Kräuterkultur.

Veröffentlicht am 5. April 2019 · Aktualisiert am 21. Mai 2026

Häufige Fragen

Welchen Kräutertee kann man in der Schwangerschaft trinken?
Die am wenigsten umstrittenen: Ingwer (gegen Übelkeit, max. 1 g/Tag), Kamille, Lindenblüte, Orangenblüte, Zitronenverbene, Rooibos. Stets in moderaten Mengen und für den regelmäßigen Gebrauch nach Rücksprache mit Ihrer Hebamme.

Ist Ingwer in der Schwangerschaft wirklich unbedenklich?
Ja, in moderater Menge (1 g/Tag, entspricht etwa 1 Tasse) – das ist die einzige Anwendung, die von der EMA ausdrücklich für Morgenübelkeit anerkannt wird. Bei höheren Mengen empfiehlt sich professioneller Rat.

Wie viele Tassen Kräutertee pro Tag in der Schwangerschaft?
1 bis 2 Tassen täglich von unbedenklichen Pflanzen, abwechselnd. Keine Kur von mehr als 2 Wochen ohne Rücksprache mit einem Fachmann.

Was tun, wenn man bei einer Pflanze unsicher ist?
Fragen Sie immer Ihre Hebamme, Ihren Arzt oder Ihre Apothekerin. Sie kennen Ihre individuelle Situation und können Sie gezielt beraten.

Weiterführende Informationen

Lesen Sie auch unseren Ratgeber zu Kräutertee in der Stillzeit, unseren Ingwer-Ratgeber, unseren Kamille-Ratgeber oder unseren Lindenblüten-Ratgeber. Für die praktische Auswahl stöbern Sie in unserer Kräutertee-Kollektion.

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