Entspannungs-Kräutertee im Überblick: Welcher passt zu Ihnen?
Kurz zusammengefasst: Mehrere Pflanzen sind von der EMA für leichte, vorübergehende Stresszustände anerkannt: Melisse, Baldrian, Passionsblume, Lavendel, Kamille, Linde, Eisenkraut. Diese Kräutertees können in unruhigen Phasen helfen, ersetzen jedoch keine Behandlung bei einer manifesten Angststörung. Empfehlung: 1 Teelöffel pro Tasse (25 cl), 10 Minuten bei 95 °C ziehen lassen, 2–3 Tassen täglich.
Vorübergehender Stress ist einer der häufigsten Gründe, zu Kräutertees zu greifen. Die europäische Phytotherapie kennt mehrere Pflanzen mit traditionell anerkannten Anwendungen für leichte Unruhezustände. Dieser Ratgeber stellt sie vor, trennt Belegtes von Marketing-Versprechen und erklärt die richtige Zubereitung.
Von der EMA anerkannte beruhigende Pflanzen
Die EMA hat mehrere Pflanzen hinsichtlich ihrer traditionellen Anwendung bei leichten Stresszuständen bewertet:
- Melisse (Melissa officinalis): traditionelle Anwendung anerkannt bei leichten Stresszuständen und nervositätsbedingten Verdauungsbeschwerden.
- Baldrian (Valeriana officinalis): gut belegte Anwendung anerkannt bei leichten Schlafstörungen und Unruhe. Die wissenschaftlich am besten dokumentierte Pflanze auf diesem Gebiet.
- Passionsblume (Passiflora incarnata): traditionelle Anwendung anerkannt bei leichten Stresszuständen und leichten Schlafstörungen.
- Lavendel (Lavandula angustifolia): traditionelle Anwendung anerkannt bei leichten Stresszuständen und leichten Schlafstörungen. Eine klinische Studie beobachtete eine Wirkung auf das subjektive Angstempfinden mit einem standardisierten Extrakt.
- Hopfen (Humulus lupulus): traditionelle Anwendung anerkannt, häufig in Kombination mit Baldrian eingesetzt.
Klassische beruhigende Pflanzen (ohne HMPC-Monographie)
Andere traditionell verwendete Pflanzen verfügen über keine HMPC-Monographie, werden aber in beruhigenden Mischungen weiterhin häufig genutzt:
- Kamille (Matricaria recutita): gut belegte Anwendung bei Verdauungsbeschwerden, traditionelle Anwendung bei Unruhezuständen. Mehr dazu in unserem Kamille-Ratgeber.
- Linde (Tilia cordata): traditionelle Anwendung anerkannt bei leichten Schlafstörungen und Stresszuständen. Mehr dazu in unserem Linden-Ratgeber.
- Echtes Eisenkraut (Verbena officinalis): traditionelle Anwendung anerkannt bei leichten Unruhezuständen. Mehr dazu in unserem Eisenkraut-Ratgeber.
- Orangenblüte (Citrus aurantium, Blüte): traditionelle Anwendung bei leichten Schlafstörungen.
So bereiten Sie einen guten Entspannungs-Kräutertee zu
- Menge: 1 Teelöffel (2 g) getrocknete Pflanze pro Tasse (25 cl). Für eine Mischung: 1 Esslöffel pro 50 cl.
- Wasser: auf etwa 95 °C erhitzen (kurz vor dem Kochen).
- Ziehzeit: 10 Minuten – die Tasse dabei unbedingt abdecken, da die ätherischen Öle sonst verfliegen.
- Filtern: durch ein feines Sieb gießen. Nach Wunsch einen Teelöffel Honig hinzufügen.
- Häufigkeit: 2–3 Tassen täglich in unruhigen Phasen, als Kur über 2–4 Wochen.
- Zeitpunkt: 30–60 Minuten vor dem Schlafengehen zur abendlichen Entspannung oder nach den Mahlzeiten bei Unruhe tagsüber.
Bewährte Mischungen
- Melisse + Eisenkraut + Kamille: die sanfte Abendmischung, mild und gut verträglich.
- Baldrian + Passionsblume + Hopfen: die kraftvolle Kombination für besonders unruhige Nächte.
- Linde + Orangenblüte: die französische Tradition für ruhige Nächte.
- Lavendel + Linde: für besonders anstrengende Abende.
- Melisse + Pfefferminze: bei stressbedingten Verdauungsbeschwerden.
Chronischer Stress braucht mehr als Kräutertee
Kräutertees können in Phasen vorübergehenden Stresses unterstützen. Bei chronischem Stress oder einer manifesten Angststörung reichen sie nicht aus. Wichtiger sind folgende Ansätze:
- Schlaf: 7–9 Stunden pro Nacht für Erwachsene.
- Körperliche Aktivität: mindestens 30 Minuten täglich – gut dokumentierte Wirkung auf Stress.
- Atemtechniken: Herzratenvariabilität (Kohärenzatmung), Meditation, Yoga.
- Stimulanzien reduzieren: Koffein, Alkohol und Bildschirme am Abend einschränken.
- Professionelle Begleitung: Psychologe oder Arzt aufsuchen, wenn Stress länger als 3 Wochen anhält oder den Alltag beeinträchtigt.
Vorsichtsmaßnahmen und Gegenanzeigen
- Baldrian: nicht vor dem Autofahren einnehmen, kann bei empfindlichen Personen Schläfrigkeit verursachen. Nicht in Kombination mit Beruhigungsmitteln ohne ärztlichen Rat.
- Schwangerschaft und Stillzeit: Die meisten beruhigenden Pflanzen sind für eine regelmäßige Einnahme nicht empfohlen. Kamille und Orangenblüte gelten in moderaten Mengen als am unbedenklichsten.
- Antidepressiva oder Anxiolytika: mögliche Wechselwirkungen – fragen Sie Ihren Arzt, bevor Sie beruhigende Pflanzen zusätzlich einnehmen.
- Kinder: Kamille und Orangenblüte sind am geeignetsten. Baldrian und Passionsblume sollten Kindern unter 12 Jahren nicht ohne Fachberatung gegeben werden.
- Allergien: Kamille gehört zur Familie der Korbblütler (Asteraceae) – bei entsprechend sensiblen Personen sind Allergien möglich.
Hinweis: Die Informationen in diesem Artikel dienen ausschließlich zur Orientierung und ersetzen keinen ärztlichen Rat. Chronischer Stress, Angststörungen oder Depressionen erfordern professionelle Begleitung. Kräutertees sind keine Arzneimittel.
Quellen: European Medicines Agency, Community herbal monographs (Melissa officinalis, Valeriana officinalis, Passiflora incarnata, Lavandula angustifolia, Humulus lupulus) · Kasper S. et al., International Clinical Psychopharmacology zu Lavendel und Angst (PMID:20512042) · ANSES, Empfehlungen zu Pflanzen in Aufgüssen.
Geschrieben von
Julien Huot, Gründer von Thés & Traditions. Tee-Einkäufer seit 2016, ausgebildet in der Verkostung und leidenschaftlich begeistert von der Weitergabe der Tee- und Kräuterkulturen.
Veröffentlicht am 25. Februar 2019 · Aktualisiert am 21. Mai 2026
Häufige Fragen
Welcher Kräutertee hilft am besten gegen Stress?
Baldrian hat den von der EMA am besten belegten Anwendungsstatus. Für einen milderen Alltagstee sind Melisse, Kamille und Linde bewährte Optionen.
Wie viele Tassen täglich sind sinnvoll?
2–3 Tassen täglich über eine Kur von 2–4 Wochen. Für eine schlaffördernde Wirkung eine Tasse 30–60 Minuten vor dem Schlafengehen.
Wie lange dauert es, bis die Wirkung einsetzt?
Die beruhigende Wirkung eines Kräutertees ist meist innerhalb einer Stunde spürbar. Für eine nachhaltige Wirkung empfiehlt sich eine regelmäßige Einnahme über 1–2 Wochen.
Darf man diese Kräutertees in der Schwangerschaft trinken?
Kamille und Orangenblüte gelten in moderaten Mengen als am unbedenklichsten. Baldrian, Passionsblume und Lavendel sollten Sie vorher mit Ihrer Hebamme besprechen.
Weiterführende Ratgeber
Für ein tieferes Entspannungsritual empfehlen wir unseren Ratgeber zu Schlaf-Kräutertees, unseren Kamille-Ratgeber, unseren Linden-Ratgeber oder unsere Entspannungsauswahl. Für den direkten Einstieg entdecken Sie unsere Bio-Kräutertees.
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