Brennnesselaufguss: Natürlich gut für Ihren Körper
Kurz zusammengefasst: Die Brennnessel (Urtica dioica) gehört zu den am besten dokumentierten Heilpflanzen Europas. Reich an Eisen, Kalzium und Kieselsäure, wird sie seit Jahrhunderten als Aufguss geschätzt – für ihr mineralisches Profil und ihren charakteristisch pflanzlichen Geschmack. Empfohlen werden 1 Esslöffel getrocknete Blätter pro Tasse kochendes Wasser, 10 bis 15 Minuten Ziehzeit, maximal 2 bis 3 Tassen täglich über eine Kur von 3 Wochen.
Die Brennnessel ist wohl die vielseitigste Pflanze des europäischen Gartens. Lange als Unkraut abgetan, ist sie heute in der Gemeinschaftsmonographie der EMA (Europäische Arzneimittel-Agentur) verzeichnet – der höchsten offiziellen Anerkennung für traditionelle pflanzliche Anwendungen in Europa. Diese Seite stellt ihre belegten Anwendungen, die richtige Zubereitung eines Aufgusses und die wichtigsten Vorsichtsmaßnahmen vor.
Die Brennnessel: eine von Gesundheitsbehörden anerkannte Pflanze
Die Brennnessel (Urtica dioica) ist eine der wenigen Pflanzen, die in zwei getrennten HMPC-Monographien der EMA aufgeführt sind: eine für das Blatt (Urticae folium), eine für die Wurzel (Urticae radix). Beide Pflanzenteile wurden unabhängig voneinander bewertet, und ihre traditionellen Anwendungen gelten als plausibel belegt – für klar definierte Indikationen.
Im Einzelnen:
- Das Blatt ist für die traditionelle Anwendung bei leichten Gelenkbeschwerden und als mild harntreibendes Mittel (verstärkte Wasserausscheidung) anerkannt.
- Die Wurzel ist für Beschwerden beim Wasserlassen im Zusammenhang mit einer benignen Prostatahyperplasie der Stadien I und II anerkannt – ausschließlich nach ärztlicher Diagnose, die schwerwiegende Erkrankungen ausschließt.
Für den klassischen Kräutertee verwendet man das Blatt. Die Wurzel, die stärker an spezifischen Wirkstoffen konzentriert ist, wird in der Regel in anderer Form eingenommen (Kapseln, Tinktur) und erfordert ärztlichen Rat.
Zusammensetzung und belegte Eigenschaften
Das Brennnesselblatt ist außergewöhnlich reich an Mineralstoffen und Spurenelementen. Diese Nährstoffdichte erklärt seinen festen Platz in der Volksmedizin seit dem Mittelalter.
- Mineralstoffe: Eisen (4 bis 8 mg/100 g getrocknete Blätter), Kalzium, Magnesium, Kalium, Kieselsäure.
- Vitamine: Provitamin A, Vitamin C (wird beim Erhitzen abgebaut), B-Vitamine, Vitamin K.
- Wirkstoffe: Flavonoide, Phenolsäuren, Lektine, Scopoletin (hauptsächlich in der Wurzel).
Mehrere Studien untersuchen eine mögliche entzündungshemmende und antihistaminische Wirkung bei saisonalen Allergiesymptomen, doch die Belege sind noch vorläufig und erlauben keine therapeutischen Versprechen. Die ANSES ordnet die Brennnessel den Nahrungspflanzen des allgemeinen Gebrauchs zu – ein Hinweis auf ihre Sicherheit unter normalen Bedingungen.
Wie man einen guten Brennnessel-Kräutertee zubereitet
Die Brennnessel braucht eine längere Ziehzeit, um ihre Mineralstoffe freizusetzen. Anders als ein feiner Tee verträgt sie Hitze und Zeit – und profitiert sogar davon.
- Menge: 1 Esslöffel (etwa 3 g) getrocknete Blätter pro Tasse (250 ml). Bei frischen Blättern rechnen Sie mit 5 bis 6 ganzen Blättern.
- Wasser: zum Kochen bringen, dann vom Herd nehmen.
- Ziehzeit: mindestens 10 bis 15 Minuten, idealerweise mit einem Deckel, um flüchtige Verbindungen zu bewahren.
- Dekokt: Für eine maximale Extraktion der Mineralstoffe können Sie die Blätter 3 Minuten im Wasser aufkochen und dann 10 Minuten abseits der Wärmequelle ziehen lassen.
- Häufigkeit: 2 bis 3 Tassen täglich, über eine Kur von maximal 3 Wochen, gefolgt von einer Pause von 2 bis 3 Wochen.
Brennnessel-Kräutertee schmeckt pflanzlich-herb, manchmal an Spinat erinnernd. Er lässt sich mit einem Spritzer Zitronensaft abrunden – was auch die Eisenaufnahme verbessert – oder mit einem Teelöffel Honig.
Welche Pflanzen passen zur Brennnessel
Die Brennnessel harmoniert je nach gewünschtem Effekt sehr gut mit verschiedenen Pflanzen:
- Für einen leichten, erfrischenden Aufguss: Brennnessel + Kirschstiel + Löwenzahn. Unser Leitfaden zum Detox-Kräutertee beschreibt solche Kombinationen im Detail.
- Für eine wärmende Auszeit: Brennnessel + Johannisbeere + Mädesüß.
- Für einen täglichen Kräutertee mit Frische: Brennnessel + Rosmarin + Thymian. Mehr über Rosmarin erfahren Sie in unserem Rosmarin-Leitfaden.
- Im Rhythmus der Jahreszeiten: Brennnessel + Spitzwegerich + Johannisbeere, ganz nach Lust und Stimmung.
Getrocknete Brennnessel hält sich mehrere Monate in einem luftdichten Glas, lichtgeschützt aufbewahrt. Nach mehr als einem Jahr verliert sie nach und nach ihre Wirkstoffe.
Vorsichtsmaßnahmen und Gegenanzeigen
Brennnessel-Kräutertee wird im Allgemeinen gut vertragen, doch in bestimmten Situationen ist Vorsicht geboten:
- Hämochromatose: Die Brennnessel enthält gut verwertbares Eisen – bei Eisenüberladung meiden.
- Schwangerschaft und Stillzeit: Traditionell wird die Brennnessel zur Unterstützung der Milchbildung eingesetzt, bei Risikoschwangerschaften ist jedoch ärztlicher Rat einzuholen.
- Gerinnungshemmende Therapie: Das Vitamin K der Brennnessel kann mit Vitamin-K-Antagonisten (Warfarin, Fluindion) wechselwirken. Informieren Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt über Ihren Konsum.
- Synthetische Diuretika: Möglicher additiver Effekt – auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten.
- Nieren- oder Herzinsuffizienz: Eine zusätzliche harntreibende Wirkung kann ungeeignet sein. Ärztlicher Rat wird empfohlen.
- Antidiabetische Medikamente: Möglicher Einfluss auf den Blutzucker – bei behandeltem Diabetes sorgfältig beobachten.
Bei chronischen Erkrankungen, Dauermedikation oder Unsicherheit wenden Sie sich bitte vor jeder Pflanzenkur an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke.
Hinweis: Die Informationen in diesem Artikel dienen ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzen keinen ärztlichen Rat. Anhaltende Beschwerden der Harnwege, der Gelenke oder allergische Symptome sollten ärztlich abgeklärt werden. Kräutertees sind keine Arzneimittel und können keine Krankheiten behandeln oder vorbeugen.
Quellen: European Medicines Agency, Community herbal monograph on Urtica dioica L. and Urtica urens L., folium (HMPC) · EMA, Community herbal monograph on Urtica dioica L. and Urtica urens L., radix (HMPC) · Roschek B. et al., Phytotherapy Research (PMID:19140159) · ANSES, Empfehlungen zur Verwendung von Pflanzen als Aufguss.
Verfasst von
Julien Huot, Gründer von Thés & Traditions. Tee-Selekteur seit 2016, ausgebildet in der Verkostung und leidenschaftlich engagiert für die Vermittlung von Tee- und Pflanzenkulturen.
Veröffentlicht am 5. Februar 2019 · Aktualisiert am 21. Mai 2026
Häufig gestellte Fragen
Wie viele Tassen Brennnessel-Kräutertee täglich?
Maximal zwei bis drei Tassen täglich, über eine Kur von 3 Wochen, gefolgt von einer gleich langen Pause. Diese Maßvollheit begrenzt unerwünschte Wirkungen und erhält die Empfindlichkeit des Körpers gegenüber den Wirkstoffen.
Kann man täglich Brennnessel-Kräutertee trinken?
Im Rahmen einer 3-Wochen-Kur mit anschließender Pause: ja. Über mehrere Monate ohne Unterbrechung ist dies nicht empfehlenswert – um eine mögliche Anreicherung oder eine Gewöhnung an die harntreibende Wirkung zu vermeiden.
Hilft die Brennnessel wirklich bei Prostatabeschwerden?
Die Brennnesselwurzel (nicht das Blatt) ist von der EMA anerkannt, um Beschwerden beim Wasserlassen bei benigner Prostatahyperplasie der Stadien I und II zu lindern – ausschließlich nach ärztlicher Diagnose. Der Blätter-Kräutertee ist für diesen Zweck nicht die geeignete Form.
Wann erntet man Brennnesseln zum Trocknen?
Im Frühjahr (April bis Juni), wenn die jungen Blätter besonders chlorophyllreich sind. Schneiden Sie die jungen Triebe vor der Blüte, trocknen Sie sie im Schatten an einem gut belüfteten Ort und bewahren Sie sie in einem luftdichten Glas, lichtgeschützt auf. Unser Leitfaden zur Aufbewahrung gibt Ihnen weitere praktische Tipps.
Weiterführende Themen
Wenn Sie tiefer eintauchen möchten, stöbern Sie in unserem vollständigen Leitfaden zu Kräutertees, entdecken Sie den Detox-Kräutertee, der die Brennnessel häufig mit anderen entwässernden Pflanzen verbindet, oder lesen Sie unseren Ratgeber zur Wahl des richtigen Kräutertees nach Ihren Bedürfnissen. Und für den direkten Einstieg entdecken Sie unsere Auswahl an Bio-Kräutertees und Aufgüssen.
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